Wölfin FT7 ("Marie")

Am 02.05.2012 wurde auf dem Truppenübungsplatz (TÜP) bei Neustadt ein Wolf gefangen. Bei dem Tier handelte es sich um einen weiblichen Jährling des Milkeler Rudels. Das Tier wurde betäubt, vermessen, und mit einem Wildtiertransponder und einem GPS-GSM-Halsband versehen. Für genetische Untersuchungen wurden Blut- und Speichelproben genommen. Die junge Fähe wog nur 27 kg und war sehr mager. Sie erhielt die Bezeichnung FT7 („Marie"). FT7 wurde 2011 geboren und war eines von mind. sechs Geschwistern. Eine Schwester von ihr war im Dezember 2011 in der Milkeler Heide absichtlich überfahren worden.
Der aktuelle Rüde des Milkeler Rudels ist nicht der leibliche Vater von FT7. Dieser wurde im Februar 2012 schwerkrank gefunden und nach tierärztlicher Diagnose mit behördlicher Genehmigung eingeschläfert.

Die junge Wölfin „Marie“ (FT7) ist jetzt über 3 Jahre alt und hielt sich noch bis Juni 2013 in ihrem Geburtsterritorium auf. Erst im Alter von 26 Monaten verließ sie dieses und etablierte im Bereich zwischen Königswartha und der Königsbrücker Heide (Raum Rosenthal) ein eigenes Revier (RT, siehe Abb. 6) mit einem Wolfsrüden, dessen Herkunft bisher unklar ist. „Marie“ hat im Mai 2013, noch im elterlichen Territorium, Welpen geworfen. Ob diese überlebt haben, ist bisher unklar. Bisher gibt es keine Bestätigung für die Anwesenheit von Welpen in dem neuen Rosenthaler Territorium. In der Nacht vom 01. auf den 02. November verlor die Wölfin ihr Halsband. Ein Materialfehler hatte zum vorzeitigen Ablösen geführt. Das daraufhin ausgelöste Signal veranlasste die Wolfsforscherinnen von LUPUS zur Nachsuche, wobei das Halsband geborgen werden konnte. Vom 01.07.2013 bis zum 01.11.2013 nutzte „Marie“ ein 520 km² (MCP100*) bzw. 311 km² (MCP95**) großes Gebiet.

Abb. 6: Die Häufung der aktuellen Lokationen (Kernels) der besenderten Wölfe und die ungefähre Lage der jetzigen Territorien. Je dunkler der Kernel-Bereich, desto häufiger dort Lokationen stattgefunden haben (Daten bis Ende September 2013 bzw. 01.11.2013 bei FT7).

 

Die Senderdaten von FT7 im Mai / Anfang Juni lassen darauf schließen, dass sich die Fähe häufig in einer Höhle befand und Welpen hatte. Inzwischen konnten durch die Biologinnen des LUPUS Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung auch die in der ersten Maihälfte genutzte Wurfhöhle gefunden werden. Derzeit ist unklar, ob die Welpen noch am Leben sind; die Senderdaten geben keinen Anhaltspunkt darauf, dass die Wölfin noch immer Welpen versorgt.

In der Regel leben Wölfe in Kleinfamilien bestehend aus den beiden Elterntieren mit ihren Nachkommen. Die meisten Jungtiere wandern im Alter von 1-2 Jahren ab, oft bevor sie die Geschlechtsreife erreichen. Einzelne Individuen können aber auch drei Jahre und länger in ihrem Elternrudel bleiben. Gelegentlich kommt es vor, dass in einem Rudel mehr als ein Wurf Welpen aufgezogen wird. Aus Nordamerika gibt es viele Beispiele dafür, so kommt dies im Yellowstone Park regelmäßig in einzelnen Rudeln vor (Yellowstone Wolf Project). Die Wissenschaftler sind sich einig, dass die Grundlage dafür eine hohe Nahrungsverfügbarkeit ist, ansonsten würde die Wolfsfähe keine weitere erwachsene Fähe neben sich im Rudel dulden, auch nicht eine Tochter. Ist genügend Nahrung für alle vorhanden, werden auch ältere Nachkommen im Territorium geduldet. In solchen Fällen kann es dazu kommen, dass z.B. eine bereits erwachsene Tochter ebenfalls Welpen aufzieht. Der Vater dieser Welpen kann ein herumwandernder Wolf sein oder ein sogenannter Adoptivwolf, der eine Weile im Rudel mitläuft. Kommt der Vaterrüde eines Rudels um und wird durch einen neuen männlichen Wolf ersetzt, so kann dieser sich theoretisch sowohl mit der Fähe des Rudels paaren als auch, wenn vorhanden, mit einer erwachsenen Tochter. Diese Konstellation besteht derzeit im Milkeler Rudel. Der aktuelle Milkeler Rüde ist der Stiefvater von FT7. Ob er auch der Vater ihrer Welpen ist, ließe sich nur anhand von Genetikproben von Maries Welpen feststellen.

Die Telemetriedaten von FT7 und der Fund der Wurfhöhle belegen, dass sie Nachwuchs hat(te); ob dieser noch am Leben ist, ist derzeit unklar. Sollte auch Maries Mutter, die Milkeler Fähe, Welpen aufziehen (der Nachweis steht noch aus), so ist dies der bisher erste nachgewiesene Fall eines Mehrfachwurfes in Deutschland.

Seit ihrer Besenderung am 02.05.2012 nutzte „Marie“ ein 573 km² großes Gebiet (MCP100*). Von Anfang Januar bis Ende Juni 2013 betrug dieses Gebiet 411 km², im Mai nutzte sie davon nur 4.6 km².

Abb. 5: Die Streifgebiete von FT7 (rot), MT5 (grün), FT8 (gelb) und FT9 (blau) von Januar bzw. Mai bis Ende Juni 2013.
"Marie" und ihr Stiefvater
 
FT7 hält sich nach wie vor in ihrem Elternterritorium auf. Die mittlerweile 22 Monate alte Wölfin hält immer noch engen Kontakt zu ihrem Geburtsrudel, wie Fotofallenaufnahmen aus dem Februar zeigen. Mit Hilfe der automatischen Kameras wurden nach einander „Marie", ihre Mutter, ihr Stiefvater und vier Welpen fotografiert.
Vom 02. Mai 2012 bis 31. März 2013 nutzte FT7 ein 564 km² großes Streifgebiet* (MCP100**); ohne die wenigen Ausflüge außerhalb des Milkeler Territoriums betrug ihr Streifgebiet 372 km² (siehe Abb. 3 und 4). Dieses Gebiet deckt sich zum Großteil mit dem bekannten Milkeler Territorium, das sich von Neschwitz im Süden bis Neustadt / Spreetal im Norden erstreckt.

Abb. 4: Streifgebiete von FT7 (rot) und MT5 (grün) seit ihrer Besenderung. Zur Veranschaulichung sind die Territorien des Milkeler (MI), Nochtener (NO) und Daubaner (DN) Rudels schematisch dargestellt (blau).
Abb. 3: Die seit Anfang 2013 hauptsächlich genutzten Streifgebiete von FT7 und MT5. Zur Veranschaulichung sind die Territorien des Milkeler (MI), Nochtener (NO) und Daubaner (DN) Rudels schematisch dargestellt (blau).


Ende September 2012 unternahm „Marie" (FT7) einen kurzen Ausflug in das Gebiet des angrenzenden Daubaner Rudels und kehrte anschließend in ihr elterliches Territorium (Milkeler Rudel) zurück. Bereits im Mai hatte „Marie" einen kurzen Abstecher in das Daubaner Territorium gemacht.
Vom 02. Mai bis 31. Oktober 2012 nutzte FT7 mit diesen Ausflügen ein 389 km² (MCP100*) großes Streifgebiet*, ohne Ausflüge 311 km² (Abb. 2).
Abb.2: Streifgebiet von FT7 (02.05.-31.10.2012)


Vom 02. Mai bis 31. Juli 2012 nutzte FT7 ein 332 km² (MCP100*) großes Streifgebiet. Dieses liegt zum Großteil innerhalb des aus den Telemetriedaten des vorangegangenen BfN-Projektes bekannten Milkeler Territoriums und erstreckte sich von südlich von Königswartha bis Neustadt / Spreetal im Norden (Abb. 1).

Abb. 1: Das von FT7 "Marie" genutzte Streifgebiet im Zeitraum Mai bis Juli 2012


*MCP100 = die durch die Verbindung der äußeren Lokationen entstandene Fläche.

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