Kontaktbüro

MT5 ("Timo") wurde im Rahmen des Sächsischen Wolfsmanagements besendert, um den Erfolg einer Managementmaßnahme zu überwachen. Der Wolf war als sieben Monate alter Welpe des Nochtener Rudels bei einem Verkehrsunfall Anfang Dezember 2011 verletzt und von den Biologinnen des LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung eingefangen worden. Nach der Behandlung eines Schien- und Wadenbeinbeinbruches kam der junge Wolf für fünf Wochen in die Quarantänestation im Naturschutz-Tierpark Görlitz e.V. Anfang Januar 2012 wurde er, mit einem Senderhalsband ausgestattet, im Territorium seiner Eltern wieder in die Freiheit entlassen. 
MT5 ist der zweite Wolf von rechts
Fotofallenaufnahmen belegten kurze Zeit später, dass "Timo" wieder voll in sein Elternrudel integriert wurde.
MT5 stammt aus dem letzten Wurf der Wölfin „Einauge", die Mitte März starb (Kontaktbüro berichtete), und war derjenige der vier Geschwister, der am längsten bei seinen Eltern blieb. Im Herbst 2012, mit 1,5 Jahren, begann er sich mehr und mehr aus seinem Elternterritorium zu lösen.

Anfang Januar 2014 verlor MT5 ("Timo), nach zweijähriger Sendezeit, planmäßig sein Senderhalsband, welches geborgen werden konnte. Der Sender hatte in den zwei Jahren Daten häufig nur lückenhaft gesendet. Durch die Bergung des Halsbandes war es möglich alle auf dem Halsband gespeicherten Daten auszulesen und nachträglich auszuwerten. Von Januar 2013 bis Anfang Januar 2014 nutzte MT5 ein 149 km² (MCP100*) bzw. 94 km² (MCP95**) großes Territorium.
Abb. 6: Die Streifgebiete (MCP100*), sowie die Häufung der aktuellen Lokationen (Kernels) der besenderten Wölfe. Je dunkler der Kernel-Bereich, desto häufiger dort Lokationen stattgefunden haben (Daten bis Ende Dezember 2013 bzw. Anfang Januar 2014).
 

MT5 hielt sich seit Anfang 2013 im südlichen Bereich des Daubaner Rudelterritoriums auf. Das von ihm seit dem 01.01.2013 genutzte Gebiet, ohne seinen Ausflug in den Daubaner Wald im März, ist mit 99 km² (MCP 100*) das Kleinste der bisher untersuchten Wolfsterritorien in Deutschland.

Ende Juli 2013 konnte bestätigt werden, dass "Timo" in diesem Gebiet zwischen dem Daubaner Territorium und der A4 im Süden eine eigene Familie gegründet hat, wie Fotofallenaufnahmen eines Welpen aus diesem Gebiet zeigen. Durch die Besenderung der Daubaner Fähe (FT9, "Frieda") fiel auf, dass das Daubaner Rudel die Gebiete rings um die Hohe Dubrau offensichtlich nicht mehr nutzt, sondern sein Territorium nach Nord-West verschoben hat. Die neue Wolfsfamilie um MT5 erhielt die Bezeichnung "Kollmer Rudel" (KO siehe Karte).

Abb. 5: Die Häufung der aktuellen Lokationen (Kernels) der besenderten Wölfe und die ungefähre Lage der jetzigen Territorien. Je dunkler der Kernel-Bereich, desto häufiger dort Lokationen stattgefunden haben (Daten bis Ende September 2013 bzw. 01.11.2013 bei FT7).

Abb. 4: Die Streifgebiete von MT5 (grün), FT7 (rot), FT8 (gelb) und FT9 (blau) von Januar bzw. Mai bis Ende Juni 2013.

 

Ab Oktober 2012 unternahm „Timo" vom elterlichen Territorium aus häufiger Exkursionen in das Daubaner Territorium. Seit der zweiten Oktoberhälfte hielt sich MT5 überwiegend, seit Anfang 2013 ausschließlich, im südlichen Bereich des Daubaner Rudelterritoriums auf. Von Zeit zu Zeit war er auch direkt im Kerngebiet des Daubaner Rudels, im Daubaner Wald, unterwegs. Das Territorium des Daubaner Rudels grenzt südlich an das des Nochtener Rudels an. Der Daubaner Rüde stammt ebenfalls aus dem Nochtener Rudel und ist somit ein Bruder von "Timo".
Eine ähnliche Situation beobachteten die Wolfsforscherinnen 2010, als der ebenfalls aus der Nochtener Wolfsfamilie stammende „Karl" (MT2) sich mehrere Wochen im benachbarten Milkeler Territorium aufhielt, bevor er zusammen mit einer jungen Fähe dieses Rudels die Spremberger Wolfsfamilie gründete.
Von Januar bis Ende März 2013 nutzte MT5 ein Gebiet von 123 km² (Abb. 2). Seit seiner Besenderung im Januar 2012 durchstreifte er ein Gebiet von mindestens 672 km² (MCP100**) (Abb. 3). Da die Daten aus dem ersten Jahr seiner Senderlaufzeit nur lückenhaft sind, dürfte das tatsächliche Streifgebiet noch größer sein.

Abb. 3: Die seit Anfang 2013 hauptsächlich genutzten Streifgebiete von MT5 und FT7. Zur Veranschaulichung sind die Territorien des Milkeler (MI), Nochtener (NO) und Daubaner (DN) Rudels schematisch dargestellt (blau).

Abb. 2: Streifgebiete von MT5 (grün) und FT7 (rot) seit ihrer Besenderung. Zur Veranschaulichung sind die Territorien des Milkeler (MI), Nochtener (NO) und Daubaner (DN) Rudels schematisch dargestellt (blau).

Von Januar – Juni 2012 kamen die Daten von MT5 aus einem nur 73 km² großen Gebiet. Über Fotofallen und Spuren wurde er in dieser Zeit auch nördlich dieses Bereiches nachgewiesen. Im Juli 2012 hielt sich MT5 kurze Zeit im östlichen Teil des Milkeler Territoriums auf, kehrte jedoch wieder in sein Nochtener Elternterritorium zurück. Durch diesen Ausflug vergrößerte sich sein bisher bekanntes Streifgebiet auf 191 km² (MCP100*); sein tatsächliches Streifgebiet dürfte um einiges größer sein.
Ende September 2012 unternahm MT5 einen mehrtägigen Ausflug in den Norden des Milkeler Territoriums, kehrte dann wieder in das Nochtener Gebiet zurück. In der zweiten Oktoberhälfte streifte er durch das Territorium des Daubaner Rudels, wo er sich Ende Oktober 2012 noch immer aufhielt. Mit diesen Ausflügen ist sein bisheriges bekanntes Streifgebiet 499 km² groß (MCP100*), ohne diese Ausflüge 132 km² (Abb. 1).
Leider funktionierte der Sender von MT5 von Anfang an nicht korrekt, sodass die erhaltenen Daten aus dem ersten Jahr seiner Senderlaufzeit sehr lückenhaft sind und nicht das tatsächliche Streifgebiet des Wolfsrüden zu dieser Zeit wiederspiegeln.

Abb. 1: Das von MT5 bekannte Streifgebiet im Zeitraum Januar bis Oktober 2012.
*MCP100 = die durch die Verbindung der äußeren Lokationen entstandene Fläche.
** MCP95 = die durch die Verbindung der äußeren Lokationen entstandene Fläche, ohne die die 5 Prozent, die am stärksten von den anderen Lokationen abweichen