Wölfe in Sachen

23.07.2013:

Im Rahmen des Projektes „Wanderwolf“, einem gemeinsamen Projekt des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und der Projektgruppe „Wanderwolf“, die aus der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. (GzSdW), dem Internationalen Tierschutz-Fonds gGmbH (IFAW), dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und dem World Wide Fund For Nature Deutschland (WWF) besteht, sind momentan drei Wölfe besendert.

Die junge Wölfin „Marie“ (FT7) aus dem Milkeler Wolfsrudel, welche im Mai 2012 besendert wurde, ist jetzt über 2 Jahre alt und hält sich weiterhin überwiegend im Territorium ihrer Eltern auf. Die Senderdaten von FT7 im Mai / Anfang Juni lassen darauf schließen, dass sich die Fähe häufig in einer Höhle befand und Welpen hatte. Inzwischen konnten durch die Biologinnen des Wildbiologischen Büro LUPUS auch die in der ersten Maihälfte genutzte Wurfhöhle gefunden werden. Derzeit ist unklar, ob die Welpen noch am Leben sind; die Senderdaten geben keinen Anhaltspunkt darauf, dass die Wölfin noch immer Welpen versorgt.

In der Regel leben Wölfe in Kleinfamilien bestehend aus den beiden Elterntieren mit ihren Nachkommen. Die meisten Jungtiere wandern im Alter von 1-2 Jahren ab, oft bevor sie die Geschlechtsreife erreichen. Einzelne Individuen können aber auch drei Jahre und länger in ihrem Elternrudel bleiben. Gelegentlich kommt es vor, dass in einem Rudel mehr als ein Wurf Welpen aufgezogen wird. Aus Nordamerika gibt es viele Beispiele dafür, so kommt dies im Yellowstone Park regelmäßig in einzelnen Rudeln vor (Yellowstone Wolf Project). Die Wissenschaftler sind sich einig, dass die Grundlage dafür eine hohe Nahrungsverfügbarkeit ist, ansonsten würde die Wolfsfähe keine weitere erwachsene Fähe neben sich im Rudel dulden, auch nicht eine Tochter. Ist genügend Nahrung für alle vorhanden, werden auch ältere Nachkommen im Territorium geduldet. In solchen Fällen kann es dazu kommen, dass z.B. eine bereits erwachsene Tochter ebenfalls Welpen aufzieht. Der Vater dieser Welpen kann ein herumwandernder Wolf sein oder ein sogenannter Adoptivwolf, der eine Weile im Rudel mitläuft. Kommt der Vaterrüde eines Rudels um und wird durch einen neuen männlichen Wolf ersetzt, so kann dieser sich theoretisch sowohl mit der Fähe des Rudels paaren als auch, wenn vorhanden, mit einer erwachsenen Tochter. Diese Konstellation besteht derzeit im Milkeler Rudel. Der aktuelle Milkeler Rüde ist der Stiefvater von FT7. Ob er auch der Vater ihrer Welpen ist, ließe sich nur anhand von Genetikproben von Maries Welpen feststellen.

Die Telemetriedaten von FT7 und der Fund der Wurfhöhle belegen, dass sie Nachwuchs hat(te); ob dieser noch am Leben ist, ist derzeit unklar. Sollte auch Maries Mutter, die Milkeler Fähe, Welpen aufziehen (der Nachweis steht noch aus), so ist dies der bisher erste nachgewiesene Fall eines Mehrfachwurfes in Deutschland.

Seit ihrer Besenderung am 02.05.2012 nutzte „Marie“ ein 573 km² großes Gebiet (MCP100*). Von Anfang Januar bis Ende Juni 2013 betrug dieses Gebiet 411 km², im Mai nutzte sie davon nur 4.6 km².

Im Mai 2013 wurden durch die Biologinnen von LUPUS zwei weitere Wölfinnen im Rahmen des Projektes besendert. Bei beiden Tieren handelt es sich jeweils um die Altwölfin (Fähe) eines sächsischen Wolfsrudels: die Nieskyer Fähe, „Greta“ (FT8), und die Daubaner Fähe, „Frieda“ (FT9).

FT8 lieferte lange keine Senderdaten, vermutlich weil sie sich in dieser Zeit viel in der Höhle aufhielt. Seit Mitte Juni sendet die Wölfin regelmäßig und auch die Lokationen seit ihrem Fang wurden nachgeschickt. Die Lokationen von Mai und Juni lassen vermuten, dass sie im Mai und Juni verschiedene Höhlenstandorte nutzte. Vom 09.05. bis 30.06.2013 nutzte „Greta“ ein Gebiet von 149 km² (MCP100*).

Die Daubaner Wölfin, „Frieda“ (FT9), sendete im Gegensatz zu „Greta“ bereits wenige Tage nach ihrer Besenderung, obwohl auch sie sich zunächst überwiegend in der Höhle bei den Welpen aufhielt. Außerdem unternahm „Frieda“ schon bald weite Ausflüge. Insgesamt war FT9 häufiger und länger von den Welpen entfernt als FT8 und nutzte mit 238 km² (MCP100* 14.05. – 30.06.2013) ein deutlich größeres Gebiet als FT8.

 

Besenderter Wolf MT5 hält sich weiterhin in der Hohen Dubrau auf

Der besenderte Wolf MT5, ein männlicher Jungwolf aus dem Nochtener Rudel, hält sich seit Anfang des Jahres überwiegend im Gebiet der Hohen Dubrau auf, am südlichen Rand des Daubaner Wolfterritoriums. Das von ihm seit dem 01.01.2013 genutzte Gebiet ist 123 km² groß (MCP100*).

MT5 ist nicht im Rahmen der AG „Wanderwolf“ besendert worden. Der Wolf war nach einem Verkehrsunfall Anfang Dezember 2011 verletzt eingefangen, tierärztlich behandelt und am 7. Januar 2012 mit Halsbandsender wieder freigelassen worden (Kontaktbüro berichtete).

* MCP100 = die durch die Verbindung der äußeren Lokationen entstandene Fläche.

Abb.1: Die Streifgebiete der besenderten Wölfen FT7 (rot), MT5 (grün), FT8 (gelb) und FT9 (blau) seit Januar bzw. Mai 2013.

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