Wölfe in Sachen

Mit einer gemeinsamen Medieninfomation des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und des Landratsamtes Bautzen vom 27.10.2017, wurde darüber informiert, dass im Rosenthaler Rudel ein Wolf entnommen werden darf. Das SMUL hat sein Einvernehmen zu der Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Bautzen erteilt. 

Weitere Informationen hierzu finden Sie in den beiden folgenden Dokumenten:

Medieninformation vom 27.10.2017 des SMUL und LRA Bautzen

Antworten auf häufige Fragen zu der Entscheidung (FAQ)

11.10.2017

Die wiederholt durch ungewöhnliche Nahbegegnungen mit Menschen auffällig gewordenen Wolfswelpen des Milkeler Rudels im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (Kontaktbüro berichtetet PM v. 28.09.2017) werden im Rahmen des sächsischen Wolfsmanagements vergrämt. Eine entsprechende Ausnahmegenehmigung wurde am 05.10.2017 von der Landesdirektion Sachsen gegenüber der Biosphärenreservatsverwaltung erteilt. Die Maßnahme erfolgt durch Mitarbeiter der Biosphärenreservatsverwaltung und des LUPUS Institutes für Wolfsmonitoring- und forschung.

Mindestens drei der derzeit ca. 6 Monate alten Welpen des Milkleler Rudels zeigten in den letzten Wochen bei einigen Begegnungen mit Menschen kaum Fluchtverhalten. Sie näherten sich den Menschen dabei neugierig auf wenige Meter an bzw. untersuchten Gegenstände in deren unmittelbaren Nähe, ohne aggressiv zu sein. Welche Ursachen/ Umstände zu diesem Verhalten geführt haben, z.B. ob die Welpen angefüttert wurden, ist gegenwärtig nicht bekannt. 

Nun wird versucht den Tieren dieses ungewöhnliche und unerwünschte Verhalten durch Vergrämung abzugewöhnen. Dies kann durch den Beschuss mit Gummimunition erreicht werden. Den Tieren soll dabei ein kurzzeitiger Schmerz, aber keine Verletzungen oder dauerhafter Schaden, zugefügt werden. Dabei sollen sie die unangenehmen Reize mit Menschen in Verbindung bringen.

Eine gewisse Neugier und eine verzögertes Fluchtverhalten ist für Jungtiere nicht ungewöhnlich, die interessierte Annäherung an Menschen, wie sie die Welpen des Milkler Rudels wiederholt zeigten kann aber zu einem Gewöhnungseffekt und bei älteren Tieren dann zu Konflikten bei der Begegnung mit Menschen führen. Das soll durch die Vergrämung verhindert werden.

Wolfssichtungen und sonstige Wolfshinweise melden Sie bitte an das zuständige Landratsamt, das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland (Tel.: 035727 57762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" (Tel.: 035772 46762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

28.09.2017

Im Kerngebiet des Milkeler Wolfsrudels gab es in letzter Zeit Fälle, in denen die aktuell knapp 5 Monate alten Welpen durch ungewöhnliche Nahbegegnungen mit Menschen auf sich aufmerksam machten. Die Tiere zeigten bei Begegnungen kaum Fluchtverhalten, näherten sich neugierig Menschen teilweise bis auf wenige Meter an, ohne aggressiv zu sein.

Es ist bekannt, dass Wolfswelpen neugieriger und weniger vorsichtig reagieren als erwachsene Wölfe. Das Verhalten dieser Welpen lässt jedoch vermuten, dass sie sich in den letzten Wochen an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt, eventuell sogar positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Im Rahmen des Sächsischen Wolfsmanagements untersuchen die Biologen des Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung in Zusammenarbeit mit dem für die Flächen zuständigen Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft nun vor Ort die Situation im Milkeler Territorium, um die Hintergründe und mögliche Ursachen aufzuklären, sowie dem unerwünschten Verhalten entgegenzuwirken.

Wolfswelpen verbringen in den ersten Lebensmonaten viel Zeit an sog. Rendezvousplätzen, wo sie sich viel alleine aufhalten. Die Altwölfe kommen nur sporadisch dorthin, um die Welpen zu füttern.

Insbesondere Welpen können gewollt oder auch unbeabsichtigt so stark an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt (habituiert) werden, dass sie die Anwesenheit oder Annäherung von Menschen auf eine deutlich geringere Distanz zulassen als ihre Artgenossen. Wenn z.B. Menschen sich Welpen wiederholt annähern, gewöhnen sich diese an die unmittelbare Nähe von Menschen. Deshalb ist es wichtig, das Verhalten dieser Welpen auf keinen Fall zu verstärken. Das heißt, dass sie keine weiteren Begegnungen mit Menschen haben sollten, die sie mit positiven Erfahrungen verbinden. Sie dürfen auf keinen Fall angelockt oder gar gefüttert werden bzw. in der Nähe von Menschen Nahrung finden. Menschen sollen auch nicht versuchen sich den Tieren anzunähern, um z.B. ein besseres Foto zu bekommen, um den Gewöhnungseffekt nicht noch zu verstärken.   

Das Milkeler Rudel existiert seit 2008 und hat sein Kerngebiet in der Kernzone des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft im LK Bautzen. In diesem Jahr werden dort mind. 3 Welpen aufgezogen.

Um einen möglichst vollständigen Überblick über das Verhalten von Wölfen zu erlangen, sind Meldungen über Wolfssichtungen aus der Bevölkerung wichtig. Wolfssichtungsmeldungen werden entgegengenommen vom Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" (035772 46762, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), den zuständigen Landratsämtern und dem LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland (035727 57762, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

08.09.2017

Im Spätsommer und Herbst ist vermehrt auf einen guten Herdenschutz zu achten, da es hier erfahrungsgemäß vermehrt zu Übergriffen auf Nutztiere kommt. Dieses saisonale Muster, ist aus Deutschland und anderen europäischen Wolfsgebieten bekannt.

Tierhalter, die ihre Schafe und Ziegen nicht über Nacht einstallen können, sollten gerade jetzt ihre Schutzmaßnahmen überprüfen bzw. Schwachstellen zeitnah beseitigen, um Verluste von Nutztieren durch Wölfe möglichst zu verhindern.

Die Umzäunungen dürfen keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten und alle Seiten der Koppeln müssen geschlossen sein – über offene Gräben oder Gewässer können Wölfe leicht eindringen. Außerdem sollte die Koppel nicht zu klein sein, damit die Tiere selbst bei einem versuchten Übergriff durch einen Wolf genügend Platz zum Ausweichen haben und nicht aus der Koppel ausbrechen.

Stromführende Zäune mit einer Höhe von 100 cm bis 120 cm bieten einen wirksamen Schutz, da ein schmerzhafter Stromschlag den Wolf in der Regel abschreckt. Sowohl Netzzäune als auch stromführende Litzenzäune (mit mindestens fünf Litzen) sind geeignet. Bei den Elektrozäunen ist auf eine ausreichende Spannung (mind. 2.500 V) und eine gute Erdung zu achten. Die Zäune müssen gut gespannt sein, sodass sie die empfohlene Höhe auf der gesamten Koppellänge aufweisen und keine Möglichkeiten zum leichten Einspringen an durchhängenden Stellen bieten.

Foto: Ein stromführender Netzzaun mit einer als „Flatterband“ funktionierenden Breitbandlitze.

Im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels sind Schaf- und Ziegenhalter weiterhin dazu aufgerufen, einen Elektrozaun in Kombination mit einem „Flatterband“ (Breitbandlitze) zu verwenden, da sich dies als effektive Maßnahme gegen das Überspringen bewährt hat. Das „Flatterband“ ist eine i.d.R. nicht stromführende Breitbandlitze, die ca. 20 - 30 cm über dem Elektrozaun angebracht wird, so dass sie frei in der Luft hängt (s. Foto). Der Zaun wird dadurch optisch erhöht und dem Wolf wird es erschwert, die Höhe des Hindernisses abzuschätzen. Größere Schäfereibetriebe können alternativ zum „Flatterband“ auch Herdenschutzhunde einsetzen.

Als Tierhalter im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels können Sie das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) auch in diesem Jahr wieder kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausleihen (Kontakt: siehe unten).

Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist im Gebiet des Rosenthaler Territoriums voraussichtlich bis Ende Dezember 2017 notwendig. Über eine Verlängerung dieses Zeitraumes wird zeitnah informiert.

Bei einem Nutztierriss in Cunnewitz am 27.08.2017 (die Presse berichtete) war die betreffende Weide nicht wie empfohlen gesichert. An einem vorhandenen Festzaun wurde auf der Innenseite ein Elektrozaun aufgestellt, der sich sehr nah hinter dem Festzaun befand.  Die vom Wolfsmanagement bereits 2016 an den betroffenen Tierhalter ausgesprochene Empfehlung, einen Elektrozaun mit „Flatterband“ (20-30 cm darüber) im Abstand von mind. 3 m zum Festzaun aufzubauen, wurde nicht umgesetzt. Diese Maßnahme wird allen Tierhaltern mit vergleichbaren Haltungsbedingungen im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels empfohlen. Der Abstand zwischen Festzaun und Elektrozaun ist deshalb erforderlich, damit nicht beide Zäune gleichzeitig überwunden werden und der Elektrozaun mit „Flatterband“ seiner Schutzwirkung überhaupt gerecht werden kann.

Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material werden seitens des Wolfsmanagements für Schafe und Ziegen nicht empfohlen, da sie anders als Elektrozäune beim Versuch, sie zu überwinden, keinen Schmerz verursachen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben oder übersprungen bzw. überklettert werden. Die Schutzwirkung von „Flatterband“ in Kombination mit Festzäunen ist fraglich, weshalb davon abgeraten wird. Da der Zaun selbst kaum ein Hindernis darstellt, besteht hier sogar die Gefahr, dass Wölfe die Vorsicht vor „Flatterband“ verlieren.

Am 05.09.2017 wurde bei einem Nutztierriss in Schönau bei Cunnewitz ein Schaf getötet. Bei der Begutachtung des Schadens konnte nicht festgestellt werden, dass ein Wolf den stromführenden Litzenzaun, über welchem ein „Flatterband“ gespannt war, übersprungen hat. Der Zaun war teilweise nach außen niedergedrückt und Schafe aus der Koppel ausgebrochen. Auch das tote Schaf befand sich außerhalb des Zaunes.

Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern haben die Möglichkeit, sich im Rahmen der Förderrichtlinie "Natürliches Erbe" Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe (Anschaffung von Elektrozäunen, Flatterband und Herdenschutzhunden, Installation von Untergrabschutz bei Wildgattern) fördern zu lassen. Dies gilt sowohl für Hobbyhalter als auch für Tierhalter im landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerb. Der Fördersatz liegt bei 80 % der förderfähigen Ausgaben (vom Netto).

Bei Fragen zu Herdenschutzmaßnahmen oder zur Förderung solcher können sich Tierhalter an einen der folgenden Mitarbeiter wenden. Die Beratung ist kostenfrei und kann auch vor Ort stattfinden.

- Herr Klingenberger, zuständig für die Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden, von der Biosphärenreservatsverwaltung in 02694 Malschwitz OT Wartha, Warthaer Dorfstraße 29 (Tel.: 0172 / 3757 602, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

- Herr Klausnitzer, zuständig für die Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz, vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in 04741 Roßwein, OT Haßlau, Nr. 29a (Tel.: 0151 / 5055 1465, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Sollten Tierhalter bei der Kontrolle ihrer Tiere einen Übergriff durch einen Wolf vermuten, muss der Schaden innerhalb von 24 Stunden an das zuständige Landratsamt gemeldet werden, sodass eine zeitnahe Rissbegutachtung durchgeführt werden kann. An Wochenenden oder Feiertagen gibt es i.d.R. Bereitschaftspläne. Der Kontakt zu den Rissgutachtern kann auch über die Rettungsleitstellen (Tel. 112) hergestellt werden.

27.07.2017:

In der Dahlener Heide (LK Nordsachsen) konnte ein Wolfsrudel nachgewiesen werden. Bereits seit Jahresbeginn gab es einzelne Hinweise auf Wölfe in diesem Gebiet. Ende Mai wurde eine Wolfsfähe mit Gesäuge, welche Futter im Maul trug, von einer Fotofalle fotografiert (s. li. Foto). Aktuell wurden zwei Welpen beobachtet und fotografiert.

In neun weiteren sächsischen Wolfsterritorien konnte ebenfalls bereits Reproduktion nachgewiesen werden.
In den Territorien des Daubitzer, Königshainer Berge, Nieskyer, Rosenthaler und Seenland Rudels gibt es Fotoaufnahmen von Welpen. Auch bei dem im Monitoringjahr 2015/2016 neu etablierten Wolfspaar in der Neustädter Heide (LK Bautzen) wurde erstmals Nachwuchs bestätigt.
Außerdem liegen aus dem Daubaner, Nochtener und Knappenrode Rudel Hinweise auf Reproduktion aufgrund von Fotofallenaufnahmen einer Wolfsfähe mit Gesäuge vor.

 

Foto links: Die Wolfsfähe in der Dahlener Heide trägt Futter im Maul. Bei ihr ist deutlich ein Gesäuge zu erkennen.
Foto rechts: Im Nieskyer Rudel wurden sechs Wolfswelpen fotografiert.

In den Sommer- und Herbstmonaten liegt der Schwerpunkt des Wolfsmonitorings auf der Suche nach Welpenhinweisen. In dieser Zeit wird versucht, in den einzelnen Wolfsterritorien Welpen über dokumentierte Spuren, Fotos oder Filmaufnahmen zu bestätigen.

Hinweismeldungen aus der Bevölkerung sind für das Wolfsmonitoring eine wertvolle Hilfe und können jederzeit an die Landratsämter, das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ (Tel. 035772 46762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland (Tel. 035727 57762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) gemeldet werden.

Halter von Schafen und Ziegen sollten Vorkehrungen für den Schutz ihrer Tiere treffen, indem sie ihre Nutztiere z.B. mit einem geeigneten Elektrozaun schützen oder über Nacht einstallen. Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material werden seitens des Wolfsmanagements nicht empfohlen, da sie über keine aktive, abschreckende Wirkung verfügen und eine rein physische Barriere darstellen. Erfahrungsgemäß können sie von Wölfen leicht untergraben oder übersprungen bzw. überklettert werden.
Tierhalter, die Fragen zum Herdenschutz bzw. zur Förderung von präventiven Schutzmaßnahmen haben, können sich an einen der folgenden Sachbearbeiter wenden.

Zuständig für die Landkreise Nordsachsen, Leipzig, Mittelsachsen, Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, sowie die Städte Leipzig und Chemnitz ist Herr Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie in Roßwein OT Haßlau (Tel. 0151 / 5055 1465, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Zuständig für die Landkreise Görlitz, Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, sowie die Stadt Dresden ist Herr Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft in Malschwitz OT Wartha (Tel. 0172 / 3757 602, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).