Wölfe in Sachen

Abgeschlossenes Monitoringjahr

Im Monitoringjahr 2016/17 wurden im Freistaat 14 Rudel und 4 Paare (CUN, DH, HW und LH) nachgewiesen, deren Territorien größtenteils in Sachsen liegen. In einigen weiteren Gebieten (Löbau/Zittau, Massenei, Wermsdorfer Forst, Dübener Heide) ist das Vorkommen von Wölfen ungeklärt, da von dort nur wenige Wolfsnachweise vorliegen (Status unklar). Die ehemaligen Territorien des Seenland und Spremberger Rudels sind ebenfalls schraffiert dargestellt, weil es unklar ist ob diese Rudel noch existieren. Beide Territorien wurden noch am Anfang des Monitoringjahres 2016/2017 von den ursprünglichen Rudeln genutzt, jedoch konnten sie im weiteren Verlauf des Jahres dort nicht mehr nachgewiesen werden. Die Kerngebiete dieser beiden Territorien werden inzwischen, zumindest auf sächsischer Seite, von anderen Rudeln genutzt (für mehr Informationen s. unten bei Entwicklungen).

Die Bestandserfassung erfolgt innerhalb des Monitoringjahres. Dies entspricht einem Wolfsjahr, welches am 1. Mai beginnt (Geburt der Welpen) und am 30. April des darauffolgenden Jahres endet.

Abb. 1:  Wolfsvorkommen in Sachsen im Monitoringjahr 2016/2017 (Endstand April 2017). Die Darstellung der Territorien ist schematisch. Tatsächlich grenzen die einzelnen Territorien überall aneinander oder überlappen sich teilweise. Die gestrichelten Territorien haben ihr Gebiet nur zu einem kleinen Teil auf sächsischer Seite und werden daher in den Nachbarländern mitgezählt. Auch in den an das sächsische Wolfsgebiet angrenzenden Bereichen in Brandenburg und Polen gibt es flächendeckend Wolfspräsenz

Wolfsterritorien in Sachsen (Reviere ganz oder großteils im Freistaat) im Monitoringjahr 2016/17:

 Abk.  Name des Territoriums  Status  Anzahl Welpen  Informationen zum Territorium
 BI  Biehain  Rudel  5 Kerngebiet: nördlich und südlich des Biehainer Forstes; 2015 erstmals nachgewiesen
 CUN
 Cunewalde  Paar  - Kerngebiet: Czorneboh bei Cunewalde, westlich Löbau; 2015 erstmals nachgewiesen als Rudel mit Reproduktion
 DH  Dahlener Heide  Paar  - Kerngebiet: Dahlener Heide im Landkreis Nordsachsen; nachgewiesen seit 2016
 DN  Dauban  Rudel  0 Kerngebiet: Ostteil des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft/ Daubaner Wald; nachgewiesen seit 2008, die Fähe (FT9, "Frieda") trug 2013-2015 einen GPS-GSM-Halsbandsender
 DZ  Daubitz  Rudel  6 Kerngebiet: Ostteil des Truppenübungsplatzes Oberlausitz; existiert seit 2006
GH  Gohrischheide (SN/BB)  Rudel  5 Kerngebiet: Gohrischheide; erste Nachweise auf markierende Fähe und Welpen im Winter 2015/2016
HW  Hohwald (SN / Tschechische Republik)  Paar  - Hohwald (Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Bautzen), Großteil des Reviers in Sachsen, ein Teil in der Tschechischen Republik; von 2012 bis 2014 als Rudel mit Welpen nachgewiesen; bei der aktuellen Wölfin handelt es sich um eine Tochter des ursprünglichen Rudels
 KH  Königsbrücker Heide  Rudel  1 Kerngebiet: Königsbrücker Heide; seit 2011 nachgewiesen
 KHB  Königshainer Berge  Rudel  0 Kerngebiet: Königshainer Berge; im Sommer 2015 wurde ein Welpe sowie die ehemalige Kollmer Fähe erstmals nachgewiesen
 KN  Knappenrode  Rudel  6 Kerngebiet: Bereich um Knappenrode südlich Hoyerswerda, 2016 verlagerten sie ihr Territorium bis ins Seenland; nachgewiesen seit 2015
 KO  Kollm Rudel  3 Kerngebiet: Hohe Dubrau; bereits 2013/2014 war hier ein Rudel sesshaft, welches im Jahr darauf verschwand, 2016 hat sich ein neues Wolfspaar in diesem Gebiet etabliert und Nachwuchs gezeugt
 LH  Laußnitzer Heide  Paar  0 Kerngebiet: Laußnitzer Heide; seit 2013/2014 als Paar nachgewiesen, 2014 und 2015 Nachwuchs bestätigt, aktuell nur ein Wolfspaar bestätigt
 MI  Milkel  Rudel  4 Kerngebiet: TÜP Oberlausitz West/ Neustädter Heide (ehem. Kerngebiet des Neustädter Rudels); nachgewiesen seit 2008
 N  Neustadt  Rudel  0 Kerngebiet: Gebiet um Neustadt (Spreetal), westl. Teil des TrÜPl; erstmals nachgewiesen 2015, von 2004 bis 2008 Kerngebiet des Neustädter Rudels. 2009 wurde es vom Milkeler Rudel übernommen. Nun hat eine Tochter des Milkeler Rudels hier ihr eigenes Territorium etabliert; erste Reproduktion 2016
 NO  Nochten  Rudel  4 Kerngebiet: TÜP Oberlausitz/ Tagebaugebiet Reichwalde; nachgewiesen seit 2005, eine Tochter des alten Nochtener Wolfspaares hat das Revier 2012 mit einem eigenen Partner übernommen
 NY  Niesky  Rudel  0 Kerngebiet: Gebiet um Niesky / Königshainer Berge; seit Herbst 2011 erstmals nachgewiesen, die Fähe (FT8, "Greta") trug 2013-2015 einen GPS-GSM-Halsbandsender
 RA  Raschütz  Rudel  3 Kerngebiet: Raum Großenhain; erstmals nachgewiesen 2016 als Welpen fotografiert wurden
 RT  Rosenthal  Rudel  2 Kerngebiet: Gebiet um Ralbitz-Rosenthal (LK Bautzen); eine Tochter FT7 ("Marie") aus dem Milkeler Rudel, die 2012-2013 einen GPS-GSM-Halsbandsender trug, hat hier 2013 zusammen mit einem Rüden ein Revier etabliert, erste Reproduktion 2014
 
Entwicklungen beim Wolfsvorkommen in 2016 und 2017, Stand 26.10.2017

Das Bernsdorfer Wolfspaar existiert nicht mehr. Der Bernsdorfer Rüde war im Oktober 2016 tot aufgefunden worden, er starb eines natürlichen Todes. Der Verbleib seiner Partnerin ist bisher unklar. Allerdings hat sich in Brandenburg im Raum Hohenbocka ein neues Wolfsrudel etabliert, dessen Territorium sich bis in den Raum Bernsdorf im Freistaat Sachsen erstreckt.

Der Status des Seenlandrudels (SL) ist unklar, denn 2016/17 gab es Verschiebungen des Knappenroder Rudels ins Seenlandgebiet. Seither ist der Verbleib der Seenlandwölfe unbekannt.

Auch der Verbleib der Sprembergwölfe (SP) ist derzeit unbekannt, denn im Winter 2016 fand eine Verschiebung des Neustädter Paares ins Spremberger Kerngebiet statt.

Im Raum Hohen Dubrau hat sich wieder ein Wolfsrudel, das Kollmer Rudel (KO) etabliert. Eine Tochter des Daubaner Rudels und ein Sohn des Nieskyer Rudels haben im Sommer 2016 in diesem Gebiet Welpen aufgezogen. Dies wurde durch den Fund eines toten Wolfswelpen im Februar 2017 bei Steinölsa, sowie weiterer Genetikproben belegt. Insgesamt konnten diesem Paar bisher 3 Welpen genetisch zugeordnet werden. Im Gebiet um Kollm war im Jahr 2013 bereits ein Rudel nachgewiesen worden, welches im Jahr darauf nicht mehr bestätigt werden konnte. Das Gebiet wurde zwischenzeitlich von den Wölfen des Nieskyer Rudels genutzt.

In der Dahlener Heide (Nordsachsen) konnte 2017 ein Rudel bestätigt werden, nachdem im Juli 2017 Welpen fotografiert wurden. Seit Jahresbeginn 2017 lagen aus diesem Bereich bereits einzelne Wolfsnachweise vor. Aufgrund dieses Reproduktionsnachweises im Sommer 2017 wird das Vorkommen rückwirkend für das Monitoringjahr 2016/2017 als neues Wolfspaar geführt.

Weiterhin sind aus den Gebieten Löbau/Zittau (LK Görlitz), der Massenei (LK Bautzen), und des Wermsdorfer Forstes (LK Nordsachsen) wiederholt Hin- und Nachweise von Wölfen bekannt.

Einzelne Nachweise von Wölfen außerhalb etablierter Territorien gab es zudem bei Hohnstein (September 2016) und im Raum Altenberg im LK Sächsische Schweiz – Osterzgebirge (April 2017), im Vogtlandkreis bei Grünbach (März 2017) sowie in Tschechien an der Grenze zum Erzgebirgskreis bei Königswalde (Juli 2016).

Informationen über den vorläufigen Stand des noch laufenden Monitoringjahres (2017/18) in Sachsen und anderen Bundesländern sowie zu vorhergehenden Monitoringjahren  finden Sie auch auf der Seite der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

Besondere Vorkommnisse
Im Bereich Rumburk in der Tschechischen Republik wurden 2016 nach einer Verpaarung zwischen einer Wölfin und einem Hund, drei Wolf-Hund-Mischlingswelpen (Hybriden) geboren. Das Gebiet liegt angrenzend an den Freistaat Sachsen im Schluckenauer Zipfel. Nachdem im Herbst 2016 die drei Welpen wiederholt von verschiedenen Personen fotografiert und beobachtet wurden, kam anhand des äußeren Erscheinungsbildes der Verdacht auf, dass es sich um Wolf-Hund-Mischlinge handelt. Zwei der Welpen kamen in den folgenden Wochen ums Leben. Einer starb bei einem Autounfall, der zweite wurde von einem Jäger erlegt. Anhand der genetischen Untersuchung des verunfallten Welpen wurde von Genetikern des Zoologie Departments der tschechischen Charles Universität in Prag in Zusammenarbeit mit dem deutschen Labor für Naturschutzgenetik am Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, Standort Gelnhausen, die Vermutung, dass es sich um Wolf-Hund-Mischlinge handelt, eindeutig bestätigt.
Das Tschechische Umweltministerium beauftragte daraufhin örtliche Jäger mit der Tötung des letzten verbleibenden Welpen (Geschlecht unbekannt). Aus Artenschutzgründen werden Wildtier-Haustier-Mischlinge i.d.R. aus der Natur entfernt, um eine Ausbreitung der Haustiergene in der Wildpopulation zu verhindern. Da Mischlinge rechtlich dem strenger geschützten Elterntier, in diesem Falle also dem Wolf, gleichgestellt sind, ist für ihre Entnahme aus der Natur i.d.R. eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erforderlich. Der rechtliche Schutz von Mischlingen dient in erster Linie dazu, reinrassige Individuen geschützter Arten vor einem versehentlichen Abschuss zu bewahren. Internationale Empfehlungen, wie die Recommendation Nr. 173 (2014) der Berner Konvention fordern von den unterzeichnenden Mitgliedsstaaten jedoch, eine behördlich überwachte Entnahme von Wolf-Hund-Mischlingen aus Wolfspopulationen sicher zu stellen, wenn deren Hybridstatus wissenschaftlich zweifelsfrei erbracht worden ist.
Allerdings gelang die Tötung des Hybriden in Tschechien bislang nicht. Aktuelle Nachweise aus dem April 2017 zeigen, dass das Tier noch immer in der Region unterwegs ist. Es hat eine deutlich dunklere Fellzeichnung als Wölfe, sodass es optisch gut erkennbar ist. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das inzwischen einjährige Tier in nächster Zeit aus dem Gebiet abwandert und eventuell im Freistaat Sachsen auftaucht. Im Managementplan für den Wolf in Sachsen ist geregelt, dass Hybriden aus der Population entfernt werden sollen. Ein höheres Gefährdungspotenzial für Menschen geht durch Hybriden, die in freier Wildbahn von einer Wolfsmutter aufgezogen wurden, nicht aus, wie internationale Erkenntnisse zeigen.

Wolfshinweise aus der Bevölkerung sind für das Wolfsmonitoring eine wertvolle Hilfe und können jederzeit an die Landratsämter oder das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung (Tel. 035727 57762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) gemeldet werden.
Auch das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ (Tel. 035772 46762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) nimmt Hinweise entgegen und steht darüber hinaus für jegliche Fragen zum Thema Wolf zur Verfügung.