Kontaktbüro

30.07.2015:

Anlässlich von Wolfssichtungen und Nutztierrissen, wie zuletzt am 15.07.15 in Kodersdorf, wurden in den vergangenen Wochen vermehrt Bedenken über eine wohlmögliche Gefährdung von Menschen laut. Anhand aller vorliegenden Informationen aus dem Wolfsmonitoring, welches die Entwicklung der Wolfspopulation in Sachsen und das Verhalten der Tiere, (im Rahmen des staatlichen Wolfsmanagements) erforscht und überwacht, sind diese Bedenken unbegründet.
Das Verhalten, das sich Wölfe auf der Suche nach Beutetieren zuweilen nah an bewohnte Gebäude heran wagen, wird in Sachsen seit Beginn der natürlichen Wiederbesiedlung beobachtet und vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ seit vielen Jahren in Presseinformationen, Faltblättern und Vorträgen bekannt gegeben. Es ist keine „neue Entwicklung“, sondern gehört zum Repertoire des normalen Wildverhaltens. Die Haltung von Schafen und Ziegen in Siedlungen und an Gehöften ohne geeignete Umzäunung ist daher insbesondere über Nacht nicht sicher.
Die Tatsache, dass Wölfe gelegentlich nachts und sehr selten auch mal am Tage in Siedlungsbereiche gehen, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist, stellt keine Gefahr für die Bevölkerung dar. Dem Menschen gehen die Wölfe in der Regel aus dem Weg und werden daher selten beobachtet. Falls es zu einer Begegnung kommt, reagieren die Wölfe häufig nicht besonders scheu, jedoch ist ihr Verhalten von arttypischer Vorsicht und Desinteresse gegenüber den Menschen gekennzeichnet.
Die zahlreichen Sichtungen, die im Rahmen des Wolfsmonitorings in Sachsen seit 2002 systematisch erfasst werden, zeigen, dass Wolf-Sichtungen auf kurzer Distanz (unter 50m) zum Großteil vom Auto heraus erfolgen. Generell dauern Sichtungen häufig nur wenige Sekunden bis Minuten und finden auf größerer Distanz statt.
Das Verhalten von Wölfen wird im Freistaat Sachsen gemäß den Ausführungen im Managementplan für den Wolf in Sachsen beurteilt. Darin ist auch der Umgang mit auffälligen Wölfen geregelt. Im Landkreis Görlitz und darüber hinaus im Freistaat Sachsen gibt es derzeit keine Anzeichen für ein auffälliges Verhalten einzelner Wölfe.
Seit Beginn der natürlichen Wiederbesiedlung vor 15 Jahren gab es im Freistaat keine Situation in der Wölfe dem Menschen gefährlich geworden sind.

Laut dem letzten Monitoringstand gibt es vier Wolfsfamilien, die ihre Territorien ganz oder größtenteils im Landkreis Görlitz haben: das Nochtener, Daubitzer, Daubaner und Nieskyer Rudel. Davon erstreckt sich das Revier des Nieskyer Rudels am weitesten in den Süden des Landkreises bis in die Königshainer Berge. Südlich der Autobahn wurden in den vergangenen Jahren immer wieder bestätigte Hinweise und Nachweise auf einzelne Wölfe erbracht, wie zuletzt im Raum Löbau und Bernstadt auf dem Eigen. Eine Etablierung von Rudelterritorien wurde im südlichen Teil des Landkreises noch nicht festgestellt.
Zur Unterstützung des Wolfsmonitorings wird die Bevölkerung gebeten Wolfshinweise (Sichtungen, Spuren, Kot, Risse) an das Landratsamt Görlitz, das Kontaktbüro oder das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –Forschung zu melden.
Bei Fragen zum Thema Wolf oder Interesse an Vortragsangeboten in Ihrer Region wenden Sie sich bitte an das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz.